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12.06.2010 | 15:44 h

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Andreas Burkert

 
 
 

Reisen - Reportagen

 

Faszinierend Verwegen

Den Westen Norwegens mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden? Bleibt da nicht die Landschaft auf der Strecke? Und erst die Fjorde, die während vergangener Eiszeiten über hundert Meter tief in den Fels gehobelt wurden? Nein! Wir verfolgten die Spuren der Wikingerkönige, entlang der Fjorde mit der Fähre und auf die Berge mit der Bahn. Eine 'wilde' Reise durch Fjordnorwegen.

Welch ein Held. Um das Ja-Wort seiner Liebsten zu bekommen, versprach Harald Hårfagre, er werde ein mächtiger König. Bis ihm das gelingt, so versicherte er weiter, werde er sich nicht die Haare schneiden. Und die wuchsen dem Wikinger, der von 852 bis 933 lebte, im Laufe der Zeit derart, dass er als Harald Schönhaar (Hinn Hárfagri) in die Geschichte einging. Und natürlich gelang es ihm, als erster König große Teile Norwegens zu beherrschen.

Fortan regierte er mit seiner selbstbewussten Frau von Avaldsnes aus, einem idyllisch gelegenen Ort auf der Insel Karmøy, im Südwesten von Norwegen, direkt am engen Karmsund gelegen. Diese nur wenige hundert Meter breite Meeresenge trennt die Insel vom Festland. Sie diente seiner Zeit den Seefahrern als wichtigste Handelsroute nach Norden (Nordvegen) und Harald Hårfagre als lukrative Einnahmequelle. Wer den sicheren Weg nach Norden passieren wollte, musste ihm Tribut zollen.


Auf den Spuren der Könige

Wir beginnen unsere Reise durch Fjordnorwegen von diesem beschaulichen Ort aus – Norwegens ältestem Königssitz. Heute beheimatet dieses wichtigste kulturgeschichtliche Gebiet des Landes das Geschichtszentrum 'Nordvegen Historiesenter'. Denn dort wirkte Norwegens 'erster' König, und dort wurde er begraben. Hinweise auf seine Burg haben Archäologen unter dem Parkplatz neben der Königskirche von 1250 gefunden, und im Schlamm des ältesten Hansehafen vermuten sie alte Handelsschiffe der Wikinger. Passend dazu wurde gegenüber ein kleines Wikingerdorf errichtet, wo Kinder in spannenden Abenteuern das Leben um 800 nachempfinden können.

In Sichtweite zeigt sich auch die Kleinstadt Haugesund mit ihren etwa 33.000 Einwohnern. Mit dem Bus sind es nur wenige Minuten in die Innenstadt. Neben einer gemütlichen Einkaufsstrasse lädt vor allem der maritime Hafenbereich ein. Von dort aus wagen wir auch die Überfahrt zur Insel Røvær. Sie liegt etwa 20 Minuten Bootsfahrt vor dem Festland und beheimatet etwa 130 Einwohner. Mittelpunkt ist der Hafen, dort findet sich auch ein kleiner Laden. Für die etwa zwölf Kinder ist der Dreh- und Angelpunkt allerdings der Fußballplatz, mitten auf der Insel – nur wenige hundert Meter vom Wasser entfernt. Das Tragen der Schwimmwesten, außer auf dem Bolzplatz, wird den Kleinen deshalb schon früh beigebracht.


In aller Einsamkeit

Auf einem Felsen, direkt am Wasser und nur über eine schmale Brücke zu erreichen, liegt das einzige Hotel der Insel. Es nennt sich Kulturhotel www.rovarkulturhotell.no und wird von der Besitzerin liebevoll geführt. Die neun Doppelzimmer mit Bad werden von Ruhe-Suchenden wie auch kleinen Gruppen gebucht. Mehrmals im Jahr vermietet die Insulanerin die Zimmer übrigens nur an Frauen. Geboten werden dann unter anderem spezielle Wellness- und Esoterikkurse. Trotz der wenigen Quadratkilometer finden wir auf der Insel viele einsame Stellen zum träumen.

Zurück auf dem Festland geht es mit dem Bus entlang der Sørfjord, einem Seitenarm des Hardangerfjords, bis nach Utne. Lohnenswert: Gegenüber dem Fähranlieger steht das Hotel Utne Hardanger www.utnehotel.no. Seit 1772 ist es ununterbrochen im Betrieb und beherbergt bis heute regelmäßig auch Norwegens Königin. Von der Terrasse geniessen wir am Abend den Blick auf den Fjord. Wir gehen früh ins Bett, denn am nächsten Morgen nutzen wir die erste Fähre nach Flåm.

Umringt von hohen Bergen und am Rande des weitläufigen Aurlandfjords ist das kleine Städtchen Flåm Knotenpunkt zwischen der Fähre und der Bergbahn Richtung Bergen. Die Zeit bis zur Abfahrt nutzen wir aber für eine rasante Fahrt durch die Fjords mit den RIB-Boats. Ein Geheimtipp: Denn erst dadurch offenbaren sich die Besonderheiten des Landes inmitten der Abgeschiedenheit. Dazu zählt auch das kleine Dorf Undredal, dass vor einigen Jahren nur per Boot sicher erreichbar war. Erst vor 20 Jahren wurde für die etwa 90 Einwohner ein Tunnel durch die Berge gesprengt.


Herrlich abenteuerlich

Heute finden immer mehr Touristen den Ort, ruhen sich am Bootsanleger aus oder probieren den einzigartigen braunen Ziegenkäse, den der Hüttenwirt übers Jahrs produziert. Nur wenige allerdings finden den Weg zur kleinsten Kirche Skandinaviens. Doch seit Kurzem steht der 1147 erbaute Holzbau im Interesse internationaler Wissenschaftlicher – dank der sehr engagierten Vorsitzenden. Die Deckenzeichnungen seien aus der für Norwegen Vor-Christlichen Zeit, zeigt sie sich überzeugt. Renommierte Kunsthistoriker sollen dies nun beweisen.

Zurück in Flåm erreichen wir rechtzeitig die historische Flåmsbahn. Über abenteuerlich in den Fels gehauenen Passagen fahren wir auf 866 Meter hinauf. Für die zwanzig Kilometer bis nach Myrdal benötigt die Bahn etwa eine Stunde – vorbei an faszinierenden Landschaften, Tälern und Wasserfällen. Vom Bahnhof Myrdal auf der Hochebene fahren täglich mehrmals Fernzüge nach Oslo und Bergen – wir steigen für unseren letzten Reiseabschnitt in den Zug nach Bergen. Die Fahrt macht den Abschied von der Wiege Norwegens im Übrigen nicht leichter – denn wir durchqueren teils schneebedeckte Berge, einsam gelegene Seen und unberührte Wildnis.

 

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(Quelle: )

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